Im vorerst letzten Teil meiner 5er Blogserie zum Social Franchising möchte ich abschließend einige Stellungnahmen zitieren aus den rund 90 erfolgten Interviews im Rahmen der WERT & Co. Social Franchisestudie 2015. Wie bereits erwähnt, herrscht weitgehende Einigkeit unter den befragten Experten der Studie dahingehend, dass das Social Franchise-Segment ein hohes Entwicklungspotential in Österreich aufweist.

Entwicklungspotential des Social Franchising in Österreich aus Sicht der Sozialunternehmen

Die Interviewergebnisse bei den rund 70 Sozialunternehmen zeigen allerdings dahingehend ein uneinheitliches Bild, unter Berücksichtigung der Meinungen von nicht nur (sich teils noch in Planung befindlichen) Franchise-, sondern auch von sonstigen kooperativen Systemen in Österreich und Deutschland. Sie haben gemeinsam, dass sie mit ihren sozialen Projekten vor allem das Ziel der Steigerung von sozialem Nutzen, von Gemeinwohl verfolgen. Die Schwierigkeit der Finanzierung anfänglicher Strukturmaßnahmen, zu denen auch die Entwicklung von Franchise-Vertrag und Franchise-Handbuch zählt, sowie teils auch die Finanzierung der späteren Systemexpansion erschweren ihrer Meinung nach jedoch die Entwicklung des Social Franchising ganz wesentlich.  Aus heutiger Sicht zählt laut Interviewergebnissen in Österreich die Aufstellung von tragfähigen und nachhaltigen Finanzierungen nicht nur zu den kritischsten Erfolgsfaktoren, sondern zugleich auch zum schwierigsten Unterfangen in diesem Sektor. 

Ausgewählte Expertenaussagen

In diesem Zusammenhang sollen einige Expertenaussagen zitiert sein.

‚Das Segment des Social Business generell, des Social Franchising im speziellen, steckt nicht nur in Österreich in den Kinderschuhen, allerdings wird eine steigende Bedeutung voraussichtlich in beiden Fällen erwartet. Neben europäischen Initiativen werden regionale Finanzierungsprogramme überlegt, die sich vor allem auch mit der Frage auseinandersetzen, wie bei diesen Unternehmen anfängliche Finanzierungshilfen nachhaltig eingesetzt werden können, damit sie sich in späteren Phasen der Unternehmensentwicklung wirtschaftlich selbst behaupten können. Auch im Fall der Umsetzung von europäischen Initiativen nimmt die Austrian Wirtschaftsservice GmbH (AWS) in Österreich hierbei eine Schlüsselrolle ein‘ (Dr. Stefan Buchinger, Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, im WERT & Co. Experteninterview 2015).

Für den Social Franchise-Sektor in Österreich liegen seitens des Österreichischen Franchise-Verbandes (ÖFV) keine gesondert erhobenen Daten vor. Derzeit sieht sich laut eigener Aussage der ÖFV in einer eher abwartenden Haltung hinsichtlich der Entwicklung des Social Franchise-Segments. Seit vielen Jahren als Interessensvertretung für kommerzielle Franchise-Systeme etabliert, sieht der Verband allerdings im sozialen Segment nicht nur ein zunehmend großes Potential, sondern auch vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Social Franchise-Modelle. ‚Schon alleine mit der Flüchtlingssituation wird uns derzeit sehr deutlich vor Augen geführt, dass die Lösung von gesellschaftlichen Problemen ein Zusammenwirken vieler Kräfte erfordert und nicht alleine dem Staat überlassen werden kann. Dies schon deshalb, da bekanntlich auch die staatliche Finanzierbarkeit zunehmend in Frage zu stellen ist. Wenn mit Modellen, die den sozialen Nutzen im Vordergrund haben und die sich an kommerziellen Franchise-Modellen orientieren, standardisierte Lösungen geschaffen werden können, die auch replizierbar sind, dann werden davon viele Menschen profitieren können´ (Dkfm. Andreas Haider, Präsident des ÖFV, im WERT & Co. Experteninterview 2015).

Die Frage, ob für Deutschland derzeit gesonderte Statistiken für das Social Franchise-Segment vorliegen, verneint auch Herr Brodersen. Seiner Meinung nach sind sich kommerzielles und soziales Franchising näher, als es vielleicht viele vermuten würden. Ebenso wie in kommerziellen Franchise-Systemen müssen am Ende des Tages auch Social Businesses generell und Social Franchise-Systeme im speziellen Mittel lukrieren, um sich auch selbst finanzieren zu können (Torben L. Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbandes DFV im WERT & Co. Experteninterview 2015).

Ebenso wie im Fall der Franchise-Verbände in Österreich und Deutschland erfolgt auch vom Schweizer Franchise-Verband (SFV) statistisch gesehen keine Trennung zwischen dem  kommerziellen und dem Social Franchise-Segment. Dr. Wildhaber betrachtet die Basisanforderungen in den beiden Segmenten als ident, auch wenn es systemspezifische konzeptionelle Unterschiede geben wird (Dr. Christoph Wildhaber, Geschäftsführer des SFV, im WERT & Co. Experteninterview 2015).

Weitere Kooperationen im österreichischen Franchise-Beratungsmarkt

Ich möchte meine 5-teilige Social Franchise-Blogserie nun noch mit einigen Kooperationshinweisen in eigener Sache beschließen.

  • Mein WERT & Co. Marktforschungs-Kooperationspartner Thomas Angerer und ich verfolgen mit unserem Kooperationsprojekt das Ziel, mit fundierten Marktforschungserkenntnissen IHREN Kundennutzen in kommerziellen und in Social Franchise-Projekten zu steigern! Die bisherigen drei WERT & Co. Franchisestudien waren als selbst finanzierte Eigenmarktforschungsstudien konzipiert. Die WERT & Co. Social Franchisestudie 2015 konnte wie bereits erwähnt zu einem Teil mit Sponsorbeiträgen finanziert werden und dafür bedanke ich mich nochmals sehr herzlich bei den Sponsoren (siehe dazu auch Blogbeitrag 1 zum Social Franchising)!

Auch zwei weitere aktuelle Kooperationen am österreichischen Franchise-Beratungsmarkt verfolgen das Ziel, IHREN Kundennutzen zu steigern!

  • Der Wunsch nach einer Ausweitung des Beratungsangebotes für Social Franchising in Österreich zählt zu den Interview-Ergebnissen der WERT & Co. Social Franchisestudie 2015. Ausgehend davon ist zu Beginn des Jahres 2016 der Startschuss für meine Projektkooperation in Österreich mit der Social Franchise-Expertin Rose Volz-Schmidt gefallen.  Rose Volz-Schmidt ist Gründerin und Geschäftsführerin des bereits seit vielen Jahren in Deutschland erfolgreich etablierten Social Franchise-Systems wellcome, für das im Jahr 2015 auch in Österreich eine Master-Franchise-Lizenz von der Caritas Wien übernommen wurde. Bitte richten Sie etwaige Anfragen an office@dbg.at, Franchise-Beratung Dr. Erika Bernardi-Glatz. Wir unterstützen Sie bei Ihren Überlegungen für eine etwaige Multiplikation Ihres erfolgreichen Sozialprojektes sehr gerne.
  • Zu meiner mittlerweile 20-jährigen Beratungstätigkeit für Franchise-Systeme zählt u.a. die Unterstützung bei der Entwicklung von Franchise-Dokumentationen bzw. von Franchise-Handbüchern. Das Franchise-Handbuch beinhaltet jenes Know-how, das vom Franchise-Geber seinen Franchise-Nehmern zur Nutzung überlassen wird. Vor allem die Entwicklung hin zur Digitalisierung ist auch mit Diskussionen darüber verbunden, welche Handbuchstrukturen den Digitalisierungsanforderungen am besten gerecht werden. Das  prozessorientierte Franchise-Handbuch MFH© von Hans Vogel stellt Kunden-Prozesse in den Mittelpunkt der Geschäftsanleitung für Franchise-Nehmer. Rund 70 Franchise-Systeme in Deutschland haben ihr Handbuch nach dieser Methode bereits entwickelt. Benutzerfreundlichkeit und vor allem eine wesentlich kostengünstigere Möglichkeit der Franchise-Handbuchentwicklung werden als die wesentlichsten Vorteile genannt. Ich kooperiere seit kurzem mit Dipl.-Wirt.Ing.(FH) Hans Vogel Strategie & Management. Alternativ unterstütze ich davon ausgehend (zukünftige) Franchise-Systemgeber im kommerziellen wie auch im Social Franchise-Sektor Österreichs nunmehr auch bei der Handbuch-Entwicklung nach der MFH© Methode. Bitte richten Sie etwaige Anfragen in Österreich an office@dbg.at, Franchise-Beratung Dr. Erika Bernardi-Glatz.